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Jeanne Mammen und Max Delbrück


Max Delbrück (1906 - 1981) begann seine wissenschaftliche Laufbahn als Astronom, wurde dann Physiker und Wissenschaftler in der Kernforschung und zuletzt in der Biologe. Er arbeitete zusammen mit Niels Bohr in Kopenhagen und er gilt als Begründer der Molekularen Biologie. Am 10. Dezember 1969 wurde ihm der Nobelpreis für Physiologie und Medizin in Anerkennung für seine Entdeckungen des Vermehrungsmechanismus und der genetischen Struktur von Viren (gemeinsam mit Alfred Day Hershey und Salvador Edward Luria) verliehen.

Er begegnete Jeanne Mammen 1935 unter einer Gruppe gemeinsamer Freunde, die meisten von ihnen Wissenschaftler und begeisterte Musiker. Er schrieb über ihre erste Begegnung folgendermaßen: "Meine Freundschaft mit Jeanne Mammen begann in den 30er Jahren - zwei Jahre bevor ich Deutschland verließ. Jeanne war vierzig Jahre alt, und nach ihrer intensiven kreativen Periode der 20er Jahre hatte sie sich in das bittere Leben der inneren Emigration zurückgezogen. Ich war zwanzig Jahre alt, ein Niemand, und bereit in die USA auszuwandern." Bei seinem letzten Besuch in Jeannes Atelier (das Wohnatelier am Kurfürstendamm 29) nahm er einige ihrer Bilder nach Amerika mit. Er war ein großer Bewunderer ihrer Kunstwerke und sammelte sie bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. 1938 organisierte er eine kleine private Ausstellung ihrer Arbeiten im California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena. In einem seiner Briefe schreibt er ihr, dass sie jetzt in Amerika berühmter sei als in Deutschland.

Während des Krieges war ihr Kontakt unterbrochen, wurde aber schon in den Jahren 1945/1946 zuerst als Briefwechsel und später durch die Besuche Max Delbrücks mit seiner Frau Manny wieder aufgenommen und vertieft. Neben Care-Paketen und durch den fortgesetzten Ankauf von Bildern unterstützte er auf diese Weise die Künstlerin Jeanne Mammen auch finanziell und machte ihr das Überleben in den Nachkriegsjahren erträglicher.

Max Delbrück begann eine private Dokumentation und ließ Diapositive der Gemälde und Skulpturen Jeanne Mammens anfertigen. Dies erwies sich nach ihrem Tod als wertvolle Hilfe für die "Jeanne-Mammen-Gesellschaft e. V." bei der Bearbeitung des Nachlasses und der Erstellung des Werkverzeichnisses, das im Wienand Verlag, Köln, 1997, erschienen ist (Jeanne Mammen 1890 - 1976 [WVZ]: Ausstellungskatalog, Monographie und Werkverzeichnis, herausgegeben von Jörn Merkert, Werkverzeichnis von Marga Döpping und Lothar Klünner, Berlin, 1997).

Die anregende Korrespondenz zwischen diesen zwei befreundeten Menschen gibt Einblicke in die Persönlichkeiten von Jeanne Mammen und Max Delbrück. Beiden, der Künstlerin und dem Wissenschaftler, ist die gleiche außergewöhnliche kreative Neugier gemeinsam, Verständnis und Bewunderung für die Arbeit des anderen. Beide sind auf der Suche nach den Wundern und Geheimnissen des Lebens und haben dabei manche entscheidende Erkenntnisse gewonnen. Der aufschlussreiche und zum Teil sehr humorvolle Briefwechsel befindet sich im Archiv des heutigen "Förderverein Jeanne-Mammen-Stiftung e. V." in Berlin.

Max Delbrück im Jahre 1970 in seinem Büro am California Institute of Technology, Pasadena, USA

Max Delbrück im Jahre 1970 in seinem Büro am California Institute of Technology, Pasadena, USA,
kurz nachdem er 1969 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin erhalten hatte.
Mit freundlicher Genehmigung des Archivs, California Institute of Technology.
Copyright: California Institute of Technology

Als Professor Dr. Detlev Ganten im Jahr 1992 als Gründungsdirektor das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch eröffnete, tat er es in bewusster Fortsetzung der Tradition, die aus der Freundschaft zwischen Max Delbrück, seiner Frau Manny und Jeanne Mammen gewachsen war. Der "Förderverein Jeanne-Mammen-Stiftung e. V." (vormals: "Jeanne-Mammen-Gesellschaft e. V.") ist ihm zu Dank verpflichtet, dass er im Jeanne-Mammen-Saal, einem repräsentativen Raum für internationale Konferenzen im Torhaus am Eingang des Campus, eine Dauerausstellung mit Bildern der Künstlerin installiert hat. Siebzehn große Tempera- und Ölbilder sowie fünf Skulpturen, alle zwischen 1937 und 1973 entstanden und für das künstlerische Werk jener Jahre besonders charakteristisch, sind hier zum Symbol für das Zusammenwirken von Kunst und Naturwissenschaft geworden in einem Institut, an dem sechs interdisziplinäre Bereiche der modernen Molekular-Biologie zusammenarbeiten mit dem Ziel, die Grundlagen der Wissenschaften, inbesondere im Bereich der Genomforschung, mit der Anwendung bei Herz-, Kreislauf- und Hirnerkrankung wie auch bei Krebs zu verbinden.

 

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